2014-03-21 14:56

«Ein Kampf zwischen zwei Platzhirschen – nicht mehr»

Reinach

Nicolas Roulet, Verteidiger von Kickboxer Paulo Balicha, widerspricht den schweren Anschuldigungen. Balicha sitzt seit dem Überfall auf das Superpro Sportcenter am 24. Februar hinter Gitter.

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  • Jonas Hoskyn

Der ehemalige Thaibox-Weltmeister Paulo Balicha sitzt mittlerweile seit fast vier Wochen hinter Gittern. Am 24. Februar, einem Montagabend, hatte er zusammen mit einer Gruppe bewaffneter und maskierter Männer das Superpro Sportcenter seines Kontrahenten Shemsi Beqiri gestürmt und diesen in einen Kampf verwickelt. Laut mehreren Zeugen eskalierte dabei die schon zuvor äusserst angespannte Situation, und Balichas Begleiter attackierten Beqiri und die Trainierenden, darunter auch Kinder und Jugendliche. Zurück blieben sechs zum Teil erheblich Verletzte. Mehrere Personen mussten mit Knochenbrüchen ins Spital eingeliefert werden, darunter das Ziel des Angriffs, Shemsi Beqiri.

Auch Balicha wurde bei dieser Aktion verletzt. Er stellte sich noch am gleichen Abend an seinem Wohnort in Muttenz der Polizei und musste sogleich ins Spital gebracht werden. Seitdem sitzt er im Gefängnis. Das Zwangsmassnahmengericht bewilligte drei Monate Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen Freiheitsberaubung, Nötigung, Angriff, versuchter schwerer Körperverletzung und Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand gegen den 37-jährigen Portugiesen eingeleitet. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine längere Haftstrafe, zumal Balicha einschlägig vorbestraft ist.

«Völlig übertriebene Vorwürfe»

Verteidigt wird der Thaiboxer von Nicolas Roulet. Der Basler Anwalt gilt als einer der hartnäckigsten und aufsässigsten in der Szene, er macht der Staatsanwaltschaft und den Gerichten das Leben meist nicht besonders einfach. Roulet ist der Wahlverteidiger des Kickboxers und hat diesen auch bereits früher juristisch vertreten. Auf Anfrage der BaZ äusserte er sich nur zurückhaltend zu den Vorwürfen. «Klar ist: Paulo Balicha hatte mit Shemsi Beqiri eine tätliche Auseinandersetzung in Form eines Thaiboxkampfes in den Räumlichkeiten des Superpro Sportcenters. Dabei wurde er von mehreren Personen begleitet, welche sich in das eigentliche Kampfgeschehen nicht eingemischt haben», sagt Roulet.

«Es ging um einen Kampf zwischen zwei Platzhirschen – nicht mehr», sagt der Verteidiger weiter. Damit widerspricht er ganz klar den Aussagen von Beqiri und mehreren weiteren Zeugen. Diese hatten von «Mafia-Methoden, um einen Konkurrenten aus dem Geschäft zu drängen», gesprochen. Beqiri selber hatte im Interview mit der BaZ gesagt: «Balicha wollte mich eigenhändig umbringen.» Das sei völlig übertrieben, entgegnet Roulet.

Video und Hausdurchsuchung

Nach wie vor sind viele Fragen offen. So ist etwa ungeklärt, ob und wie viele der maskierten Begleiter von Balicha bereits identifiziert werden konnte. Offenbar haben die Ermittler verschiedene Indizien wie etwa DNA-Spuren. Einen Kommentar gibt es aber mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Auch eine Kamera, mit der ein Komplize den Kampf der beiden Thaiboxer filmen wollte und die im Tumult liegen geblieben sein soll, könnte den Ermittlern helfen. Offenbar hätte damit der erwartete Triumph über den Kontrahenten dokumentiert werden sollen. Wenn sich das Video nun tatsächlich in den Händen der Ermittler befindet, könnte sich dies als Bumerang herausstellen. Weder Staatsanwaltschaft noch Roulet wollten aber bisher die Existenz des Videos bestätigen. Unklar ist auch, was die Behörden bei der Hausdurchsuchung in Balichas Diamond Gym gefunden haben. Die Durchsuchung ausgelöst hat wohl der Auftritt von Balicha selber. Gemäss mehreren Zeugen sei er mit zwei Schlagringen bewaffnet gewesen. Diese sind in der Schweiz verboten.

Basler Zeitung