ABO+2019-11-08 13:30

«Ein neuer kalter Krieg wäre nicht schlecht»

US-Historikerin Mary Sarotte erklärt, was der Westen nach der Wende im Umgang mit Russland falsch machte. Jetzt müsse die Nato gestärkt werden – trotz Donald Trump.

Grossmachtambitionen: Präsident Wladimir Putin verfolgt Militärübungen in der Region Orenburg, Russland.

Grossmachtambitionen: Präsident Wladimir Putin verfolgt Militärübungen in der Region Orenburg, Russland.

(Bild: Keystone)

Frau Sarotte, 1989 haben Sie in West-Berlin studiert. Was ist Ihre Erinnerung an die Wende vor 30 Jahren?
Leider war ich in der Nacht des Mauerfalls am 9. November 1989 nicht in Berlin. Also musste ich ein Buch schreiben, um meine Abwesenheit zu kompensieren! Im Nachhinein bin ich dankbar, dass ich die letzten Tage des Kalten Kriegs in Berlin erleben durfte. Als ich dort ankam, dachte niemand, dass die Mauer bald fallen könnte. Ich bin viel in der DDR, der Tschechoslowakei und Ungarn gereist. Dadurch erfuhr ich mehr über den Warschauer Pakt. Ich war später froh, dass ich das getan hatte.