2015-07-19 10:32

Der Shootingstar der FDP

Stephan Mumenthaler, der Mann der Life Sciences, hat sich bereits in der Basler Politik einen Namen gemacht. Der Nationalrat wäre der nächste Tritt auf der politischen Karriereleiter.

Nationalrat als Ziel: Stephan Mumenthaler (FDP), der Mann der Wirtschaft, sieht seine Rolle darin, die Praxis in die Politik zu bringen.

Nationalrat als Ziel: Stephan Mumenthaler (FDP), der Mann der Wirtschaft, sieht seine Rolle darin, die Praxis in die Politik zu bringen.

(Bild: Florian Bärtschiger)

  • Jonas Hoskyn

Als Treffpunkt für das Gespräch wählt Stephan Mumenthaler den Novartis Campus. Dort arbeitet der 46-Jährige, seit er vor ein paar Jahren mit seiner Familie in die Schweiz zurückgezogen ist, als Leiter für Wirtschaftsfragen. Auf den ersten Blick überraschend: Mumenthaler ist der einzige Politiker aus den Reihen der Life Sciences, des wirtschaftlichen Herzens der Stadt. «Es können sich zunehmend nur Lehrer und Verwaltungsangestellte leisten zu politisieren. Aber Demokratie lebt davon, dass sich alle relevanten Gruppen einbringen.»

Er sehe seine Rolle darin, Praxis in die Politik zu bringen. «Wenn man in der Verwaltung arbeitet, ist man Teil des Apparates.» Die Wirtschaft habe da oft eine andere Sicht der Dinge. Mumenthaler weiss, wovon er spricht. Nach dem Studium heuerte er beim damaligen Bundesrat Kaspar Villiger (FDP) an. Der Finanzminister baute gerade ein neues Ökonomenteam auf. Mumenthaler arbeitete an der Schaffung der Schuldenbremse mit. «Letztlich war mir die Verwaltung aber zu zäh. Oft war man tagelang damit beschäftigt, ein paar Wörter und Kommata hin- und herzuschieben.» Er wechselte in die Wirtschaft zu einem Beratungsunternehmen und anschliessend in die Industrie. Mehrere Jahre arbeitete er in Deutschland und ­Amerika.

Auslandschweizer sind patriotischer

Eine Situation, die er bereits von früher kannte. Auch Mumenthalers Eltern – ursprünglich aus Bern – arbeiteten lange im Ausland. Bis zum Alter von neun Jahren lebte Mumenthaler in Mailand. Das habe sich niedergeschlagen: «Auslandschweizer sind patriotischer. Man erfährt die Stärken im Kontrast besser.» Doch auch Italien habe seine Spuren bei ihm hinterlassen: «Ich geniesse das Leben und diskutiere gerne. Deshalb nehme ich nicht immer alles bierernst.»

Als die Stelle als Chefökonom bei Novartis frei wurde, kehrte Mumen­thaler in die Schweiz zurück. Bei der Pharmafirma hatte er bereits als Student gejobbt. Kurz darauf stieg er in die Politik ein. Obwohl der 46-Jährige erst vor einem guten Jahr für FDP-Nationalrat Daniel Stolz in den Grossen Rat nachrutschte, gilt er bereits zu den gewichtigen Stimmen im Basler Parlament. Immer wieder wird er als Shootingstar der Freisinnigen bezeichnet.

Ausgezeichnet vernetzt

Stephan Mumenthaler ist bestens vernetzt und packt auch mit an. So präsidiert er die parteiinterne Fachkommission «für mehr und bessere Arbeitsplätze» und bringt sich als Delegierter der FDP Basel-Stadt auch auf eidgenössischer Ebene ein.

«Wenn man will, bietet sich einem schnell eine Gelegenheit», sagt Stephan Mumenthaler. Das politische Engagement ist allerdings mit einem Kaderjob bei einem multinationalen Unternehmen nur bedingt unter einen Hut zu bringen. Er selber redet von «einem dauernden Drahtseilakt». «Ich erfahre praktisch täglich die Grenzen unseres Milizsystems.» Der Grossteil der benötigten Zeit gehe auf Kosten von Hobbys und Familie – Mumenthaler hat zwei Kinder –, «aber man macht sich natürlich auch Gedanken um die Karriere», sagt Mumenthaler offen.

Im besten Alter

Trotzdem kandidiert Mumenthaler bei den Wahlen im Herbst für den Nationalrat. Denn eigentlich wäre er im besten Alter für eine politische Karriere. Zumal bei der Basler FDP zwischen der älteren Garde und den Nachwuchshoffnungen nur sehr wenige Leute auffallen. Faktisch sind allerdings bei der Basler FDP die Chancen auf eine politische Karriere derzeit eher gering. Parteipräsident Daniel Stolz hat momentan alle Hände voll zu tun, dass er den Nationalratssitz, den er vor vier Jahren von Peter Malama geerbt hatte, halten kann. Und den Posten in der Regierung dürfte der 38-jährige Baschi Dürr noch einige Jahre besetzt halten.

Dass Mumenthaler trotz noch geringem Bekanntheitsgrad innerhalb der FDP durchaus als valabler Kandidat für höhere Weihen gilt, zeigte sich Anfang Jahr, als sein Name bei der Suche nach einem Ständeratskandidaten fürs bürgerliche Lager kursierte. Dieses Mal winkte er noch ab. «Politische Karrieren kann man nicht planen. Wer weiss schon, was in vier oder acht Jahren ist», meint er dazu.

Basler Zeitung