2014-07-29 14:27

Kickboxer Balicha: «Bandagen – keine Schlagringe»

Beim Überfall auf seinen Kontrahenten sei er nicht bewaffnet gewesen, sagt der Angeschuldigte. Vergangene Woche tauchten Bilder auf, die die Verwendung von Schlagringen nahelegten.

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  • Jonas Hoskyn

Der ehemalige Thaibox-Weltmeister Paulo Balicha wehrt sich gegen einen Teil der Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Überfall auf das Kampf­sportcenter seines Rivalen Shemsi ­Beqiri am 24. Februar. Insbesondere widerspricht er der Anschuldigung, er habe beim Zweikampf mit seinem Kontrahenten Schlagringe getragen.

Dies hatten mehrere Augenzeugen und auch Beqiri selber unmittelbar nach dem Überfall so ausgesagt. Auch Standbilder aus einem beim Vorfall ­gedrehten Video, welche die BaZ letzte Woche veröffentlichte, deuten darauf hin. Auf den unscharfen Bildern ist zu sehen, wie Balicha neben den Stoffbandagen an beiden Händen ringförmige Aufsätze trägt.

«Das ist ein Teil der Bandagen», sagt Balicha nun, der nach dem Überfall fast drei Monate in Untersuchungshaft sass. Und der 37-jährige Portugiese tritt auch sogleich den Tatbeweis an und präsentiert beim Interviewtermin eine rudimentär bandagierte Faust. Juristisch kann es einen massiven Unterschied machen, ob das Gericht dieser Argumentation Glauben schenkt: Denn erstens sind Schlagringe laut dem Waffengesetz verboten, und zweitens wird ein Angriff mit Waffen anders beurteilt, wenn «nur» Fäuste eingesetzt werden.

«Waffen zum Schutz dabei»

Tatsächlich lässt sich aufgrund der vorliegenden Bilder wohl nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob Balicha beim Überfall bewaffnet gewesen ist oder nicht. Keine Diskussion gibt es allerdings bei seinen rund 20 maskierten ­Begleitern. Auf den Fotos sind mehrere Baseballschläger und auch ein Teles­kop-Schlagstock – ebenfalls eine verbotene Waffe – zu sehen, die zumindest teilweise auch eingesetzt wurden. «Meine Begleiter waren dabei, um die Situation abzusichern, und zu ihrem eigenen Schutz maskiert und bewaffnet», sagt Balicha. Anders als behauptet habe aber keiner eine Stich- oder Schusswaffe dabeigehabt. Die Videostandbilder zeigen aber klar, wie bedrohlich die bewaffneten maskierten Männer gewirkt haben müssen, insbesondere auf die anwesenden Kinder.

Auch das Video sei eigentlich eine Absicherung gewesen, sagt Balicha. Er habe verhindern wollen, dass nach dem Vorfall falsche Beschuldigungen erhoben werden können. Den Vorwurf, er habe den erhofften Triumph über den Erzrivalen festhalten wollen, weist er zurück. Einer der Angreifer hatte eine Kamera dabei und diese, als Balichas Begleiter in den Zweikampf eingriffen und die Situation eskalierte, liegen ­gelassen. Das Video dürfte zu einem wichtigen Beweismittel im Prozess werden. Denn sämtliche Augenzeugen sind klar einer Partei zuzuordnen.

Ansonsten schweigt Balicha und verweist auf das laufende Verfahren. Auch zu seiner Motivation sagt er nur wenig: Er sei in Beqiris Kampfsportcenter gegangen, um den schon lange gärenden Streit zwischen den beiden zu klären. «Ich habe aber mit einem Kampf gerechnet und war vorbereitet», sagt er.

Basler Zeitung