2014-10-27 09:50

Schweiz exportiert fünfmal mehr Käse nach Russland

Von 28 auf 160 Tonnen in einem Jahr: Die Schweizer Käseproduzenten reiben sich ob des Streits zwischen Russland und der EU die Hände.

Werden die Sanktionen aufgehoben, bricht die Zahl wieder ein: Ein Käser bereitet sein Produkt zu.

Werden die Sanktionen aufgehoben, bricht die Zahl wieder ein: Ein Käser bereitet sein Produkt zu.

(Bild: Keystone)

Schweizer Käseproduzenten freuten sich zu Recht, als Russland Anfang August ein Importverbot für EU-Lebensmittel während eines Jahres beschloss, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Sie hofften, dass die Russen auf das Nicht-EU-Land Schweiz ausweichen würden, um ihren Käsehunger zu stillen.

Und tatsächlich: Ein Blick auf die Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigt eine massive Exportzunahme von Schweizer Käse. Wurden im September 2013 erst 28 Tonnen ins Land von Präsident Wladimir Putin exportiert, so waren es im vergangenen Monat bereits 160 Tonnen – über fünfmal mehr.

Zu den Profiteuren gehört die Migros-Tochter Mifroma. Sie hat eine Zulassung für Käse-Exporte nach Russland erhalten. Laut einer Migros-Sprecherin sind die Ausfuhrzahlen «leicht steigend». Die Luzerner Hochdorf-Gruppe produziert laut dem Bericht neu für eine Schweizer Drittfirma ein Milchpulver, das an ein russisches Werk geliefert wird. Dieses wurde vorher in der EU hergestellt.

Auch Daniel Dätwyler, Geschäftsführer des Käseverarbeiters Intercheese, bestätigt die grosse Nachfrage aus Moskau. 2013 lieferte Intercheese 20 Tonnen Käse nach Russland. Heute sind es bereits dreimal mehr, und bis Ende Jahr rechnet Dätwyler mit 90 Tonnen. «Gefragt sind vor allem Produkte aus dem Billigsegment wie Grossloch- und Raclettekäse.» Man könne aber auch hochpreisigere Nischenprodukte wie Emmentaler und Gruyère liefern. Illusionen macht sich Dätwyler dennoch keine. «Sobald die Sanktionen aufgehoben werden, fällt das Billigsegment für uns wieder weg, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.»

wid