2015-03-23 14:18

Ein entschiedenes Nein zu weichen Drogen

Jux oder cleveres Marketing? Endo Anaconda wirbt mit einem Marihuana-Säcklein für das neue Album von Stiller Has.

«Nei, nei, nei»: Endo Anaconda über Marihuana.

Das Berner Mundart-Original schimpft mit einem Säcklein Marihuana: das dadaistische Video-Selfie ist der Facebook-Knaller des Wochenendes. Was steckt dahinter?

Der CD-Markt ist ein hartes Geschäft. Deshalb ist Marketing alles. U2 verschenkt das neue Album via Apple, Beyoncé stellt ihres unangekündigt auf iTunes, Taylor Swift zeigt sich mit ihren Katzen Olivia und Meredith auf Facebook. Einen ganz schrägen Gag hat sich nun der Berner Mundartsänger Endo Anaconda einfallen lassen. In einem Video verulkt er die «Sag Nein zu Drogen»-Kampagne von Scientology – indem er sie wörtlich nimmt.

Schon 5000 Aufrufe hat das rund einminütige Filmchen, das Anacondas Plattenfirma Sound Service am Freitag auf der Facebook-Seite von Stiller Has postete. Darin kündigt der 59-jährige Blueser die Veröffentlichung des neuen Live-Albums «Alterswild» am selben Tag an. Anaconda erzählt, dass ein Fan bei der Aufnahme am Gurtenfestival 2014 ein Säcklein Marihuana auf die Bühne geworfen habe. Er habe das Säcklein aufgehoben und «ah, Marihuana» gesagt - auf der CD zu hören

Wie man wisse, konsumiere er keine weichen (!) Drogen, doch der Satz habe sich leider aus der Aufnahme nicht herausschneiden lassen. Deshalb sage er nun Nein zu Drogen. Und schwups, hält Anaconda das Säcklein in die Höhe und schimpft mit erhobenem Zeigfinger auf das Marihuana ein: «Nein, nein, nein! Nein!» Gelächter und Schluss.

«Bundeshas»

Der Marihuana-Gag sei nicht Teil einer Marketingkampagne, sagt Sylvie Widmer von Anacondas Plattenfirma Sound Service. «Eigentlich hätte er nur über das Album sprechen sollen, doch Endo lässt sich nicht steuern. Das macht ihn ja aus», sagt sie. Der kantige Blueser komme regelmässig im Büro der Plattenfirma vorbei, um CDs abzuholen, die er an Konzerten eigenhändig verkaufe. Manchmal mache er dann spontan ein Handyvideo für die Facebook-Seite von Stiller Has. Beim letzten Mal etwa spottete er über den Nationalratskandidaten Roger Köppel, der wahrscheinlich seinen Freund Chris von Rohr zum «Bundesrohr» machen wolle. Dann werde er aber «Bundeshas».

Der Facebook-Film gibt seit Freitag viel zu reden. Die zahlreichen Kommentare reichen von «Endo, wie er leibt und lebt» bis zu «Wie viel het de vorher graucht?» Ob er die CD-Verkäufe ankurble, kann Sylvie Widmer noch nicht sagen. Vom letzten Album «Böses Alter» verkaufte Stiller Has rund 15'000 Exemplare. Das ist eine für Schweizer Verhältnisse – und angesichts schwindender CD-Verkäufe – beachtliche Zahl. Die Band feiert mit dem Live-Album das 25-Jahr-Jubiliäum.

baz.ch/Newsnet