2015-08-23 17:02

Drei Handwerker gegen den Regulierungswahn

Baselbieter Firmenpatrons fordern im Nationalrat mehr Gehör für Unternehmer und spannen für eine eigene Kampagne zusammen. Dadurch wollen sie die Bürokratie zugunsten der Wirtschaft lenken.

Die tun was: Das Plakat für den gemeinsamen Wahlkampf von Rolf Richterich (FDP), Sandra Sollberger (SVP) und Remo Franz (CVP) stellen sie sogar selber auf.

Die tun was: Das Plakat für den gemeinsamen Wahlkampf von Rolf Richterich (FDP), Sandra Sollberger (SVP) und Remo Franz (CVP) stellen sie sogar selber auf.

(Bild: Daniel Wahl)

  • Daniel Wahl

    Daniel Wahl

Sind Handwerker die anderen, besseren Politiker als Juristen und Akademiker? Hört man den drei Unternehmern Remo Franz (CVP) mit seiner Baufirma Rofra aus Aesch, Malermeisterin Sandra Sollberger (SVP) aus Bubendorf und Swimmingpool-Bauer Rolf Richterich (FDP) aus Laufen zu, dann muss man die Frage zwingend mit Ja beantworten. Mit ihren Müsterchen von Behördenirrsinn, Regulierungswahn und Schreibtisch-Täterei liesse sich eine Abend­gesellschaft unterhalten – oder schockieren.

Die drei haben sich darum entschlossen, als Vertreter der Handwerkerzunft einen gemeinsamen Wahlkampfauftritt für die Nationalratswahlen zu lancieren – unabhängig von ihrer Parteiherkunft. Sie seien drei Unternehmer, die nicht einfach ihre Firmensitze verlagern können, sondern sich für ein Umfeld einsetzen müssten, damit auch künftige Generationen in der Schweiz und im Baselbiet im Besonderen wirtschaften können.

Lehrlinge und Lohnnebenkosten

Sandra Sollberger setzt darum einen Themenschwerpunkt bei der Lehrlingsausbildung. Seit 1972 habe ihr Malerbetrieb 27 Lehrlinge ausgebildet. In Bern könne sie die praxisbezogene Ansicht einbringen und «Schreibtisch-Entscheide zum Guten beeinflussen».

Rolf Richterich, der 2009 das Schwimmbad-Bauunternehmen von seinem Schwiegervater übernommen hat, beklagt den zunehmenden politischen Druck, die Mehrwertsteuer heraufzusetzen zu wollen. «Wollen wir im Hochpreisland Schweiz wettbewerbsfähig bleiben, müssen wir das in den Griff bekommen und vor allem auch die Lohnnebenkosten gering halten.»

Verantwortung spüren

Im Familienbetrieb von Remo Franz stehen bereits seine Töchter mit in der Verantwortung und spüren, was es heisst, für 250 Arbeiter Aufträge zu beschaffen, um Ende Monat die Löhne zahlen zu können. Das Engagement des Nachwuchses in der Firma sei ein Grund dafür, dass sich der Patron wieder vermehrt in der Politik einsetzen könne. Handwerker brauchten Unterstützung, weil die Verwaltung zusehends neue administrativen Hürden aufbaut. Als Beispiel dieses Irrwitzes führt er die Gesetzesänderungen im Beschaffungswesen an. Ursprünglich hätten Juristen und Akademiker es wohlgemeint, hätten aber ein praxisfernes Werk errichtet. «Überleben können im Bau in der Schweiz so nur noch drei, vier ganz grosse Unternehmen und die Schattenwirtschafter.

Während für Sandra Sollberger die Chancen, Christian Mieschs zweiten SVP-Nationalratssitz zu erobern durchaus intakt sind, hat es Remo Franz schwieriger. Will er in den Nationalrat, muss er das bessere Resultat machen als die bisherige Elisabeth Schneider-­Schneiter. Zudem ist offen, ob die CVP überhaupt einen Sitz holt. Dies, nachdem die Grünliberalen eine Listenverbindung mit der CVP bis auf Weiteres sistiert haben. Schliesslich Rolf Richterich: Er müsste sich gegen Christoph Buser von der Wirtschaftskammer und die bisherige Daniela Schneeberger durchsetzen können. Kein einfaches Unterfangen. «Aber immer wenn mich FDP-Kollege Urs Steiner von der EBL vorgeschlagen hat, wurde ich gewählt», sagt er zu seinen Chancen.

Im ganzen Kanton zeigen sich die drei Kandidaten an zehn prominenten Standorten auf Grossplakaten. Sie treten mit einer gemeinsamen Internetsite auf und richteten ein gemeinsames Spendenkonto ein. Je nach Kontostand werden weitere Aktionen wie ein gemeinsamer Flyer-Versand geplant. «Wir Unternehmer geben kein Geld aus, das wir nicht haben», sagt Richterich schalkhaft.

Basler Zeitung