2014-02-25 12:35

Abrechnung unter Kampfsportlern

Reinach

Mehrere Dutzend Involvierte, Waffen und diverse Verletzte: Am Montagabend flogen in der Reinacher Kampfsportschule von Carlos-Trainer Shemsi Beqiri die Fäuste. Über die Hintergründe kursieren Spekulationen.

Opfer einer Abrechnung? Am Montagabend kam es zu einer Massenschlägerei in der Kampfsportschule von Shemsi Beqiri, hier zu sehen an der Superpro Fightnight im September 2013.

Opfer einer Abrechnung? Am Montagabend kam es zu einer Massenschlägerei in der Kampfsportschule von Shemsi Beqiri, hier zu sehen an der Superpro Fightnight im September 2013.

(Bild: Kostas Maros)

  • Daniel Ballmer

  • Christian Horisberger und Jonas Hoskyn

Es waren turbulente Szenen, die sich am Montagabend im Superpro Sportcenter im Reinacher Gewerbe­gebiet abgespielt haben. Kurz vor 20 Uhr kam es in der Kampfsport-Schule von Thaibox-Trainer Shemsi Beqiri zu einer Massenschlägerei mit mehreren Dutzend Beteiligten. Passiert ist der Überfall am Chris­toph-Merian-Ring während eines Trainings. Bis zu 20 teilweise maskierte Täter waren in das Center eingedrungen und hatten die Anwesenden angegriffen. Vereinzelt wurden Waffen gesichtet. Nach Zeugenaussagen geht die Polizei von Messern und Stöcken aus.

Insgesamt seien sechs Personen zum Teil erheblich verletzt worden. Mehrere Personen seien mit Knochenbrüchen ins Spital eingeliefert worden. Mittlerweile hätten einige aber wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden können. Auch Hauptopfer und Täter ­sollen sich unter den Verletzten befinden. «Wir konnten sie noch nicht ein­vernehmen, daher sind noch viele Fragen offen», sagt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Eine männliche Person sei fest­genommen worden. Zu Motiv und Hintergründen kann die Polizei aber noch keine Aussagen machen.

Eskalation eines Konflikts

Die Kampfschule gehört Shemsi Beqiri, 27 Jahre alt, zehnfacher Weltmeister im Thaiboxen, verurteilter Gewalttäter. In seinem Superpro Sportcenter trainierte bis im vergangenen August der mittlerweile wohl bekannteste Jugendstraftäter der Schweiz. Sogar Wikipedia führt einen Eintrag zum Fall Carlos (Text rechts). Dessen teure Sonderbehandlung hatte nach einem Bericht im Schweizer Fernsehen für Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei betont allerdings, dass es keinerlei Anhaltspunkte gibt, die auf einen Zusammenhang mit Carlos hindeuten.

Viel eher dürfte es sich bei der Massenschlägerei um die Eskalation eines schon lange schwelenden Konflikts innerhalb der regionalen Thaibox-Szene handeln. Ein Szenekenner spricht auf Anfrage der BaZ von einer Abrechnung zwischen dem Kampfsporttrainer Paulo Balicha vom Diamond Gym und seinem ehemaligen Schützling Shemsi Beqiri.

Provokationen über Facebook

Tatsächlich brodelt schon seit Längerem eine Privatfehde zwischen den beiden. Laut dem Insider soll Beqiri seinen früheren Trainer auf Facebook über längere Zeit mit Provokationen eingedeckt haben, die zum Teil unter die Gürtellinie gegangen seien. Von Internetportalen wie Facebook oder Youtube schwappte der Konflikt immer wieder ins reale Leben über. So attackierten Beqiri und einer seiner Brüder vor zwei Jahren einen Kämpfer des Diamond Gym am helllichten Tag in der Freien Strasse mit Pfefferspray und schlugen ihn nieder. Alle drei wurden dafür verurteilt. Offenbar kam es darauf auch zu Racheaktionen.

Am Montag scheint das Fass übergelaufen zu sein. Balicha habe gegen 20 Leute bei sich versammelt und sei dann mit ihnen in Beqiris Studio einmarschiert. Ausser Balicha seien alle Angreifer vermummt, einige von ihnen seien mit Baseballschlägern und Schlagringen bewaffnet gewesen, sagt der Szenekenner, ein aktiver Kampfsportler, aufgrund von Aussagen aus zweiter Hand. Unklar ist, wie stark Beqiri, offenbar das Ziel des Angriffs, am Montag verletzt wurde. Weder Balicha noch Beqiri waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen. Pikant: Am nächsten Wochenende findet im Grand Casino ­Basel ein Kampfsport­event statt, das Balicha organisiert.

Basler Zeitung