2019-09-17 16:24

Die Doppelmoral eines Autogegners

Velogeschäft-Inhaber Jörg Vitelli setzt sich für ein Verbot von Benzin- und Dieselautos ein. Dabei fährt er selbst einen Volvo mit Dieselmotor.

Wasser predigen und Wein trinken: Der Volvo von Jörg Vitelli's Firma.

Wasser predigen und Wein trinken: Der Volvo von Jörg Vitelli's Firma.

  • Martin Regenass

    Martin Regenass

Im Basler Parlament geht es diesen Mittwoch emotional zu und her. Das Parlament diskutiert die Initiative des Gewerbeverbands Basel-Stadt, «Zämme fahre mir besser!». Mit dem Volksbegehren soll die festgefahrene und ideologisch geprägte Basler Verkehrspolitik aufgelockert werden. Die Initiative will das unrealistische Reduktionsziel von zehn Prozent Autofahrten auf dem Stadtstrassennetz bis 2020 kippen. Zudem soll der motorisierte Individualverkehr vor unnötigen Schikanen geschützt werden. Eine Mehrheit aus der rot-grün dominierten Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) hat den Forderungen des Gewerbeverbands einen Gegenvorschlag entgegengestellt. Dieser zielt allerdings in eine diametral andere Richtung. Anstatt einen Kompromiss zu schmieden, gehen die Autogegner von SP und Grünen gar soweit, ab 2050 ein Verbot von Benzin- und Dieselfahrzeugen auf dem Basler Stadtstrassennetz zu fordern. Erlaubt sein sollen nurmehr «umweltfreundliche» Autos.

Die Regierung wiederum will in einem eigenen Vorschlag diese Forderung der UVEK-Mehrheit nach einem Verbot von Verbrennungsmotoren aus dem Gesetz gestrichen sehen. Offenbar scheint ihr das Verbot zu radikal da wohl schwierig umsetzbar, müsste die Regierung dann wohl womöglich Autos aus anderen Kantonen vom Stadtgebiet fernhalten - quasi die Stadtmauern wieder hochziehen. SP-Grossrat Jörg Vitelli stösst dieser Änderungsantrag der Regierung sauer auf. In der «Basellandschaftlichen Zeitung» sagte der UVEK-Verkehrspolitiker: «Ich verstehe nicht, warum die Regierung zurück in die 60er-Jahre will. Die Zeit der Benzin- und Dieselfahrzeuge ist abgelaufen.»

Das Velo nehmen ist nicht zielführend

Für Vitelli persönlich scheint das Zeitalter für umweltfreundliche Autos noch nicht angebrochen. Der Velohändler benutzt für seine geschäftlichen Zwecke sowohl einen Lieferwagen wie auch einen Personenwagen mit Dieselmotoren. Letzterer stand letzthin in der Nähe seines Wohnortes in der Stadt auf einem Parkplatz in der Blauen Zone. Genau auf einem solchen Parkfeld, deren Abbau Vitelli wie auch seine rot-grünen Genossen stetig und kompromisslos propagieren.

Vitelli bestätigt auf Anfrage, dass es sich bei dem Personenwagen um den Geschäftswagen, einen Volvo handelt. Angesprochen auf die Doppelmoral, also auf der einen Seite Aussagen zu machen, dass die Zeit von Dieselfahrzeugen abgelaufen sei, auf der anderen Seite aber selber noch derartige Modelle zu fahren, sagt Vitelli: «Das ist keineswegs Doppelmoral. Die Autos wurden vor Jahren angeschafft, wo Elektroautos noch nicht auf dem Stand der heutigen Technik waren.» Seine Firma kaufe sich sicherlich keine neuen Elektroautos für 40000 bis 50000 Franken, wenn die alten Autos noch funktionierten. «Umweltschutz heisst auch, sich nicht jedes Jahr ein neues Auto zu kaufen. Den Volvo brauchen wir für Besuche bei Händlern und Geschäftspartnern ausserhalb der Stadt, wo wir mit dem Öffentlichen Verkehr oder dem Velo nicht hinkommen.» Immerhin: Vitelli verspricht, bei der nächsten Beschaffung auf Hybrid- oder Elektroautos zu setzen.