2019-04-04 09:18

Wessels verlagert den Stau ins Baselbiet

Ein neues Strategiepapier des Basler Bau- und Verkehrsdepartements sieht sieben Verkehrsdosiersysteme in der Stadt vor. Im Baselbiet weiss noch niemand von diesem Plan.

Das BVD veröffentlicht eine Karte mit den neuen Stauräumen (blau) und den weniger befahrenen Zonen (grün).

Das BVD veröffentlicht eine Karte mit den neuen Stauräumen (blau) und den weniger befahrenen Zonen (grün).

  • Mischa Hauswirth und Daniel Wahl

Die Bilanz der Testphase war durchzogen bis schlecht: Mit ­längeren Rotlichtphasen an der Dreirosenbrücke/Klybeckstrasse sowie an der Grenze zu Saint-Louis/Elsässerstrasse versuchten die Planer aus dem Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) von Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP), Fahrzeuge zurückzuhalten und ausgewählte Be­reiche als Stauräume zu nutzen. Doch die sogenannten Dosier­anlagen verbesserten den Verkehr nur unmerklich, weil die Autofahrer sich neue Wege durch die Stadt suchten und dabei oft Quartierschleichwege benutzten (die BaZ berichtete). Trotzdem will der Regierungsrat die Strategie der verlängerten Rotlichtphasen an Verkehrsknoten nun vorantreiben und in den kommenden fünf Jahren weitere «Stauräume» anlegen, in denen Autos und Roller länger aufgehalten werden.

«Der Autoverkehr soll konsequenter auf den Hauptverkehrsachsen unterwegs sein und hier zügiger vorankommen», teilt der Regierungsrat Basel-Stadt am Mittwoch mit. «Dies entlastet die Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr und erhöht die ­Lebensqualität.»

Das städtische Verkehrslenkungskonzept sehe nebst sieben Dosieranlagen auch eine bessere Wegweisung sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden vor, heisst es. Betroffen sind zumindest in der ersten Phase vor allem Saint-Louis, Allschwil und Muttenz.

Mehr Platz für Velos

Zwar muss der Grosse Rat das Vorhaben sowie einen Kredit von 1,22 Millionen Franken noch ­gutheissen. Aber das dürfte ­aufgrund der politischen Kräfteverhältnisse reine Formsache sein. Durch die Massnahmen ­erhoffen sich die Behörden, dass der motorisierte Individual­verkehr künftig mehr auf die Autobahnen und verkehrsorientierten Strassen kanalisiert wird.

Künftig werden während den Hauptverkehrszeiten Rotphasen an den entsprechenden Lich­t­signalanlagen verlängert und so abgestimmt, dass der Verkehr innerhalb der Stadt flüssiger wird. Gleichzeitig werden Autofahrer, die in die Stadt hineinwollen, ­längere Fahrzeiten und mehr Geduld einberechnen müssen. Dafür werde sich die Situation für den Fuss- und Veloverkehr verbessern, verspricht der Regierungsrat. «Die Dosieranlagen werden so eingestellt, dass weder der Verkehrsablauf an benachbarten Knoten noch der öffentliche Verkehr behindert werden.»

Die längeren Rotlichtphasen kamen 2017 erstmals auf die politische Agenda und sorgten schon damals für Kopfschütteln. Christophe Haller, FDP-Politiker und Verwaltungsratspräsident des TCS beider Basel, sagte, es würde so nur ein Ausweichen in die Quartiere und weniger stark befahrenen Routen provoziert.

Baselbiet nicht informiert

Der jüngste Entscheid vom ­Basler Regierungsrat löst beim ­Nachbar Verwunderung aus. «Mit dem Partnerkanton Baselland hat ­Regierungsrat Wessels die Än­derung des Verkehrsregimes auf Stadtboden nicht besprochen», sagt Wessels’ Ratskollegin aus dem Baselbiet, Sabine Pegoraro. «Ich weiss nichts davon. Und es ist grundsätzlich nicht in meinem Sinn, dass Staus in Richtung ­Baselland verlagert werden.» Die Baudirektorin geht davon aus, dass das Basler Amt für Mobilität auf das Tiefbauamt zugehen wird.

Christian Greif, Geschäftsführer des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS), reagiert enerviert auf die Botschaft aus dem Basler Ratshaus. «Das Baudepartement ignoriert die Ergebnisse seiner Wirkungskontrolle», sagt Greif. «Das Amt stellte nach seinem ­Pilotversuch an der Elsässerstrasse selber fest, dass die Dosierstelle kaum Wirkung zeigt.»

Unzählige Autos würden nun 14 Minuten statt zehn Minuten im Stau stehen und somit CO2 ausstossen. «Das ist fast ein ­Drittel mehr», sagt Greif. Dass der Verkehr aus den Quartieren ferngehalten werden kann, hält Greif für ein Ammenmärchen. «Das BVD hat kaum Messstellen im siedlungsorientierten Bereich. So beeinflussen die Beamten ihre Statistik und merken nicht, wie die Leute den Rotlichtern ausweichen und sich durch die Quartiere quälen», so Greif.

Enttäuscht ist auch der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt. Er wolle geklärt haben, was diese Dosieranlagen für Muttenz und Münchenstein bedeuten. «Wir leben in einer Region und müssen die Verkehrspolitik über die Kantons- und Gemeindegrenzen hinaus zusammen denken», sagt Vogt. «Als Birsfelden das Tropfensystem einführte, sassen wir auch zusammen.»

Das BVD schreibt in der Tat selber, dass «eine rein städtische Verkehrslenkung nicht an der Kantonsgrenze haltmache. So wolle man für den Raum Grossbasel-West mit den Nachbar­gemeinden weitere Verkehrslen­kungsmassnahmen entwickeln.