2015-06-23 20:11

Schmuggler entladen ungehemmt Drogen an spanischem Badestrand

Video

Es geschah am helllichten Tag: In La Linea de Concepción entluden Drogendealer vor den Augen zahlreicher Badegäste eine grosse Menge Marihuana – und kamen damit davon.

Am auffälligsten ist oft am unauffälligsten: Drogenschmuggler entladen Marihuana-Pakete am Tonelero-Strand. Video: YouTube / Ignacio Muran (22. Juni 2015)

Es ist ein Tag wie jeder andere in der spanischen Hafenstadt La Linea de Concepción: Kinder spielen vergnügt in den Wellen am Tonelero-Strand, ihre Eltern erholen sich an der Sonne – bis sich vom Horizont her ein schwarzes Schlauchboot nähert und am Strand anlegt.

Die unerwarteten Gäste machen keinen Hehl aus ihrem Vorhaben. Vor den Augen zahlreicher Badegäste entladen sie eine grosse Menge Schmuggelware. Rund ein Dutzend Schmuggler laufen wie emsige Ameisen zwischen dem Boot und einem Auto hin und her. Ein anwesender Badegast hielt die skurrile Szene auf einem Handyvideo fest. Ungläubig kommentiert er das Geschehen:

«Unmöglich, die laden das Zeug hier vor allen Leuten ab, um sechs Uhr nachmittags, unmöglich.»Anwesender Badegast

Die Ware selbst ist auf dem Video nicht gut sichtbar. Die spanische Polizei erklärte gegenüber «Vice News», dass es sich bei der Schmuggelware um Marihuana-Pakete handelte.

Schmuggler wurden noch nicht gefasst

Die Beamten gehen davon aus, dass sich der Vorfall zwischen Mittwoch und Freitag letzter Woche ereignet hatte. Obwohl die Schmuggler das Boot am helllichten Tag und vor den Augen zahlreicher Badegäste entluden, konnten sie bisher nicht gefasst und die Drogen nicht sichergestellt werden.

Neben Drogen wird auch viel Tabak von Marokko nach Spanien geschmuggelt. Gemäss der spanischen «Guardia Civil» werden alle anderthalb Minuten 500 Päckchen Zigaretten über die Strasse von Gibraltar geschmuggelt:

Bei einer so hohen Schmuggelfrequenz haben die Beamten Mühe, den Überblick zu behalten. Der spanische Polizeiverband (AUGC) hielt in einer Pressemitteilung fest, die Lage in La Linea de Concepción sei aufgrund fehlender Mitarbeiter und Ressourcen «ausser Kontrolle» geraten.

«Wir gehen davon aus, dass in der betroffenen Provinz Cadiz zwischen 50 und 60 Mafiagruppierungen aktiv sind.»Juan Antonio Delgado, Sprecher der AUGC

Dies entspricht in etwa derselben Anzahl Gruppierungen wie in den Provinzen Madrid und Barcelona. Diese zählen jedoch viel mehr Einwohner und Polizisten.

Delgado erklärte, dass Arbeitslosigkeit und Abstiegsängste unter der Bevölkerung eine Hoffnungslosigkeit kreiere, welche dem Drogenhandel in die Hände spielt. Bei fast jedem festgenommenen Drogendealer hätte die Wirtschaftskrise einen ausschlaggebenden Faktor gespielt, so der Beamte. In Cadiz, der Hauptstadt der vom internationalen Drogenschmuggel betroffenen Provinz, herrscht dann auch die höchste Arbeitslosenquote Spaniens.

baz.ch/Newsnet