2014-08-06 18:50

Das erste Video des Kickbox-Kampfes

Video

Telebasel sendete das Hauptbeweisstück der Staatsanwaltschaft im Fall Paulo Balicha. Dieser hatte im Februar seinen Rivalen Shemsi Beqiri überfallen und zum Kampf gefordert. Wir zeigen den gesamten «Report».

Schläge und Schreie: Der Telebasel-Report «Balichas Überfall» – hier zu sehen in voller Länge – zeigt den Kampf zwischen Shemsi Beqiri und Paulo Balicha. Die Sendung wurde am Mittwoch erstmals ausgestrahlt. Video: Telebasel

  • Jonas Hoskyn

Das Video, das im Telebasel-Report ungeschnitten ausgestrahlt wurde, ist harte Kost: Zwei Männer in einem siebenminütigen brutalen Kampf, der ihnen das Letzte abverlangt. Die beiden schenken sich nichts: Fäuste, Beine, Ellbogen – es wird geschlagen, getreten und gewürgt. Die Kämpfer werden umringt von einer Gruppe maskierter und mit Schlagstöcken bewaffneten Männern. Einer von ihnen amtiert quasi als Trainer und gibt dem einen Kämpfer laufend Tipps. Immer wieder sind im Hintergrund Anfeuerungen und Drohungen zu hören.

Das Video ist das Hauptbeweisstück der Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen rund um den Überfall auf das Reinacher Superpro Sportcenter. Am 24. Februar dieses Jahres stürmte der ehemalige Thaibox-Weltmeister Paulo Balicha mit rund 20 maskierten und bewaffneten Männern ein Training seines ehemaligen Schülers und jetzigen Erzrivalen Shemsi Beqiri. Zu diesem Zeitpunkt waren auch mehrere Minderjährige anwesend. Die maskierten Männer drängten die Trainierenden an den Rand – laut Zeugenaussagen teils unter massiver Gewaltandrohung und -anwendung.

Missglücktes Triumph-Video?

Das eigentliche Ziel der Angreifer war Kickboxer Shemsi Beqiri. Die geschockten und eingeschüchterten Anwesenden, darunter Bruder Ilir Beqiri und der Trainer mussten mit ansehen, wie Balicha auf Beqiri losging. Ab diesem Moment beginnt auch das Video. Gefilmt hat einer der Angreifer, wohl um den erwarteten Triumph über den Erzrivalen festzuhalten. Dies legt der Ablauf des Videos nahe. So lief die Kamera etwa erst ab dem Moment, wo alle Anwesenden bereits am Boden kauern.

Und als am Schluss des Kampfes Beqiri die Oberhand gewinnt und die Situation endgültig eskaliert, bricht die Aufnahme ab. Auf den letzten verwackelten Bildern sieht man noch wie die Männer mit den Schlagstöcken auf Shemsi Beqiri losgehen und einer den Bruder Ilir Beqiri und den Trainer angreift. Im anschliessenden Tumult ging die Kamera offenbar verloren.

Viele Fragen bleiben offen

Das Video untermauert die bisherigen Erkenntnisse und gibt einen Eindruck von der Gewalt und der Drohkulisse, welche die Aggressoren aufgebaut haben. Tatsächlich wirkt die Szenerie teilweise ziemlich surreal und erinnert schon fast an einen billigen Actionfilm. So läuft im Hintergrund lange Zeit noch die aufputschende Trainingsmusik. Doch auch jetzt bleiben diverse wichtige Fragen weiterhin unbeantwortet: So sind die ganzen Handlungen des Schlägertrupps vor und nach dem Kampf nicht dokumentiert. Klar ist bisher nur, dass diese ziemlich brutal gewesen sein müssen. So gab es eine Reihe von Verletzten – darunter auch die beiden Kämpfer.

Auch die Frage, ob Balicha beim Angriff mit Schlagringen bewaffnet war, ist nicht eindeutig zu beantworten. Dafür enttarnt der Telebasel Report einige Mittäter aus Balichas Schlägertrupp. Erstmals gibt auch die Staatsanwaltschaft einen kleinen Einblick in die Ermittlungen. So sagte Sprecher Michael Lutz, dass die Ermittlungen insgesamt 18 beschuldigte Personen betreffen. Das bedeutet, dass praktisch alle Angreifer identifiziert werden konnten. Bisher sind rund 30 Bundesordner an Fallakten zusammen gekommen.

Mammut-Verhandlung in Aussicht

Entsprechend lange dürfte es wohl noch bis zu einer Anklageerhebung dauern. Denn mit der grossen Anzahl an Beschuldigten steigt auch die Zahl der Anwälte, welche mit Anträgen und Einsprachen das Verfahren in die Länge ziehen. Und auch die Verhandlung vor dem Strafgericht dürfte in einem Mammut-Prozess münden. Denn bei Banden stehen normalerweise alle Beteiligten gemeinsam vor Gericht. Rein die Anzahl der Beschuldigten wird dabei zu einer grösseren logistischen Herausforderung. Dazu kommt noch die ganze Vorgeschichte, welche ein riesiges Sicherheitsaufgebot von Nöten machen wird.

Der Telebasel-Report zum Thema wurde erstmals am Mittwoch, 6. August, um 18.15 Uhr ausgestrahlt.

baz.ch/Newsnet