2014-02-27 12:03

«Da ging es um Leben und Tod»

Der ehemalige Basler Thai-Boxweltmeister Paulo Balicha bleibt nach dem brutalen Überfall auf das Studio von Erzfeind Beqiri wohl für längere Zeit hinter Gittern. Ein Szene-Insider redet von Mafia-Methoden.

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  • Jonas Hoskyn

Nach dem Angriff einer Gruppe maskierter Schläger auf das Superpro Sportcenter in Reinach am Montagabend laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Staatsanwaltschaft kündigte gestern an, gegen den mutmasslichen Haupttäter Untersuchungshaft zu beantragen. Gegen ihn wurde ein Verfahren wegen Freiheitsberaubung, Nötigung, Angriff, versuchter schwerer Körperverletzung und Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand eröffnet. Allem Anschein nach handelt es sich dabei um den ehemaligen Thaibox-Weltmeister Paulo ­Balicha.

Laut Recherchen der BaZ hat sich der 37-jährige Portugiese noch am Montagabend bei der Polizei gestellt und musste anschliessend ins Krankenhaus gebracht werden, weil er sich beim Überfall selber auch Verletzungen zugezogen hat. Die Polizei schweigt mit dem Verweis auf laufende Ermittlungen. Offenbar wurde aber gestern in Balichas Kampfsportzentrum Diamond Gym auf dem Dreispitz auch eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Und aufgrund von DNA-Spuren sollen auch bereits die ersten Mittäter identifiziert worden sein.

Mit Schlagstöcken und Messern

Der Angriff von Montagabend scheint eine von langer Hand geplante Aktion gewesen zu sein. Hintergrund dürfte ein seit Längerem schwelender Konflikt zwischen den Thaiboxern ­Paulo Balicha und Shemsi Beqiri sein. Letzterer betreibt zusammen mit seinen Brüdern das Superpro Sportcenter in Reinach, wo der Angriff stattgefunden hat. Zuvor hatten die Beqiri-Brüder mehrere Jahre bei Balicha im Diamond Gym trainiert. Seit sich die Wege der beiden getrennt haben und Beqiri einen eigenen Kampfsportclub eröffnet hat und eigene Events veranstaltet, herrscht dicke Luft.

Schon seit Längerem kursierte in der Kickboxer-Szene das Gerücht, dass es zu einer Abrechnung kommen ­würde. Die Beqiri-Brüder hatten deshalb eine einstweilige Verfügung gegen ihren ehemaligen Trainer erwirkt. Trotzdem tauchte dieser offenbar am Montagabend in Reinach auf. Mehrere voneinander unabhängige Quellen bestätigten der BaZ, dass die Schlägertruppe von Paulo Balicha angeführt wurde, der als Einziger nicht maskiert auftrat. Klar ist: Der zwischen zwanzig und dreissig Männer starke Trupp war bewaffnet. Die Polizei spricht von Messern und Stöcken. Zeugen berichteten aber auch von Schusswaffen. Balicha selber soll Schlagringe getragen haben.

«Das sind Mafia-Methoden»

«Das war zutiefst kriminell. Die haben sofort losgelegt und auf alles eingeprügelt, was sich bewegt», erinnert sich ein Augenzeuge. Unter den Opfern sind auch Jugendliche und Kinder. Während die Clubmitglieder an den Rand gedrängt wurden, ging Balicha auf Beqiri los. «Shemsi hat mehrfach gesagt: ‹Nicht vor den Kindern›», sagt der Mann. Trotzdem sei Balicha auf ihn losgestürmt. «Da ging es um Leben und Tod», so der ­Augenzeuge. Als Beqiri im Kampf die Oberhand gewann, sei die Situation völlig eskaliert. Die maskierten Schläger griffen in den Kampf ein und die zahlenmässig unterlegenen Clubmitglieder versuchten Beqiri zu helfen. Kurz darauf flüchteten die Angreifer.

Die traurige Bilanz: Insgesamt wurden sechs Personen verletzt, zum Teil erheblich. Mehrere Personen wurden mit Knochenbrüchen ins Spital eingeliefert. Auch Shemsi Beqiri wurde beim Angriff verletzt. Offenbar hat er sich mehrere Brüche im Gesicht und an der Hand zugezogen. Für den Sportler könnte dies existenzielle Folgen haben. Seinen nächsten geplanten Kampf im März muss er sicher absagen.

Kampfsportevent im Grand Casino abgesagt

Daneben stehen die Beqiri-Brüder vor einem Scherbenhaufen. Denn auch wenn sie Opfer sind, dürften viele Eltern Bedenken haben, ihre Kinder weiter im Superpro Sportcenter trainieren zu lassen. Die Zukunft des Clubs ist völlig unklar. «Das sind Mafia-Methoden, um einen Konkurrenten vom Markt zu drängen», sagt ein Szene-Insider. Bereits im Kontext mit dem Fall Carlos sei versucht worden, das Sportcenter in ein schlechtes Licht zu rücken.

Der schweizweit bekannte Jugendstraftäter hat im Rahmen seines Sondersettings bei Beqiri trainiert. Mit dem aktuellen Vorfall hat der Fall Carlos allerdings keinen Zusammenhang. Auch für Paulo Balicha hat der Vorfall bereits jetzt erste Folgen. Das Grand Casino sagte gestern den von Balicha organisierten Kampfsportevent «Swiss Las Vegas» ab, der am Wochenende ­hätte stattfinden sollen. «Mit solchen Leuten wollen wir nicht zusammen ­arbeiten», sagt Marcel Wenger, Geschäftsführer des Grand Casino.

Basler Zeitung