2014-05-21 13:35

«Jetzt wird der Kampf schärfer»

Die Grünliberale Martina Bernasconi verspricht einen spannenden Wahlkampf im Rennen auf die Conti-Nachfolge. CVP-Kronfavorit Lukas Engelberger brutzelt entspannt weiter.

Vor dem Endspurt: Martina Bernasconi und Lukas Engelberger schenken sich in der zweiten Runde nichts.

Vor dem Endspurt: Martina Bernasconi und Lukas Engelberger schenken sich in der zweiten Runde nichts.

(Bild: Pino Covino)

  • Nina Jecker und Martin Regenass

Die SVP ist aus dem Rennen. Bleiben noch zwei ernst zu nehmende Kandidaten – Lukas Engelberger und Martina Bernasconi. Ersterer zeigte sich mit 18'873 Stimmen am vergangenen Sonntag zufrieden. Letztere konnte das Ergebnis kaum fassen: 16'018 Stimmen bezeichnet die strahlende Grünliberale als «sensationellen Erfolg».

Und plötzlich sieht die Aussenseiterin den Sieg deutlicher, als sie je zu hoffen wagte. Knapp 3000 Stimmen könnten den Unterschied machen. Und um diese will Bernasconi kämpfen. «Jetzt wird der Wahlkampf schärfer», sagt sie – und es tönt gleichzeitig wie ein Versprechen und eine Drohung.

Engelberger gab sich gestern an einer Medienorientierung seines überparteilichen Komitees gewohnt zurückhaltend. Die Kampfansage Bernasconis scheint ihn nicht sonderlich zu beeindrucken. Auch nicht die Stimmen, welche die Grünliberale gemacht hat. «Ich bin davon ausgegangen, dass sie im ersten Wahlgang viele Stimmen machen wird. Überrascht hat mich das nicht. Als Grünliberale spricht sie auch das Wählersegment der SP und der Grünen an.»

«Ich will Engelberger enttarnen»

Bernasconi hingegen ist wild entschlossen, die rund vier Wochen bis zum zweiten Wahlgang zu nutzen. ­«Lukas Engelberger hat das natürlich nicht gleichermassen nötig», sagt sie. Der könne sich bis zu einem gewissen Grad auf dem Ergebnis aus dem ersten Wahlgang ausruhen. Für die Grossrätin und Lehrerin hingegen steht Knochenarbeit an. Sie will sich vor allem auf den Strassenwahlkampf konzentrieren. Damit habe sie sehr gute Erfahrungen gemacht. «Ich sprach mit Menschen, die bereits Herrn Engelberger gewählt hatten. Nach der Diskussion mit mir hätten das einige gerne rückgängig gemacht», sagt sie euphorisch. Besonders in Riehen, wo sie nur wenige Stimmen einsacken konnte, will die 49-Jährige jetzt noch einmal Gas geben.

Aber auch Engelberger will das Terrain Riehen beackern, und so geht der CVP-Kandidat wie im ersten Wahlgang wieder auf der Strasse auf Stimmenfang. Dies gab sein Wahlkampfleiter ­Patrick Huber gestern zu Protokoll. Das Rezept, das der Roche-Mitarbeiter dabei anwendet, bleibt das altbewährte: «Burger für Bürger». Mit einem Grill wird Engelberger wieder Hamburger für das Volk braten und versuchen, die Ängste und Sorgen der Einwohner zu fühlen. Ein erstes Mal am nächsten Samstag bei der Schifflände. Begleitet wird der Jurist dann von den amtierenden Regierungsräten Baschi Dürr (FDP) und Christoph Eymann (LDP).

Bernasconis Seitenhieb

Ohne solch hochkarätige Sekundanten kämpft Bernasconi. Ihr Ziel: Kandidat Engelberger «enttarnen». Der habe sich im bisherigen Wahlkampf so gut wie nie zu konkreten Inhalten geäussert. «Alle dachten, wir kennen den Conti, also kennen wir auch den Engelberger.» Das habe der CVP-Kandidat ausgenutzt und sich mit seiner Meinung immer schön im Hintergrund gehalten. Bernasconi ist sicher: «Wüsste man über seine Haltungen in wichtigen Fragen besser Bescheid, würden ihn viele nicht mehr wählen.»

Bernasconi spricht hier Themen wie die Ehe für Homosexuelle oder erneuerbare Energien an – und findet deutliche Worte für den Kontrahenten: «Dass ein noch nicht 40-jähriger Mann eine derart veraltete und konservative Meinung zur Homo-Ehe haben kann, ist mir schleierhaft.» An Podien habe Engelberger ausserdem die Grünliberalen scharf angegriffen wegen deren positiven Haltung zu erneuerbaren Energien. «Wüsste man das in der Öffentlichkeit, wären wohl einige nicht mehr in seinem Unter­stützungskomitee.»

GLP-Positionen seien «wirr»

Engelberger kontert diese Kritik. Er nennt die Position der GLP teilweise «wirr». «Die Grünliberalen setzen sich dafür ein, dass bis 2050 der gesamte Energieverbrauch der Stadt Basel aus erneuerbaren Quellen stammen muss. Das ist schlicht unrealistisch, wirtschaftsfeindlich und verfassungswidrig», sagt Engelberger. So sei wohl Diesel auch zu diesem Zeitpunkt noch als Treibstoff in Gebrauch, und ein Hör­apparat werde ja wohl auch nicht mit Solarenergie betrieben.

Engelberger wird für den zweiten Wahlgang die Wahlplakate anpassen. Laut Huber wird Engelbergers Kopf näher heranfokussiert, Krawattenknopf und Hemdkragen verschwinden. Der Bevölkerung könne man schliesslich nicht noch einmal dieselben Plakate präsentieren, die schon in den vergangenen Wochen gehangen sind. Frischer Wind also. «Entscheidend», sagt Engelberger, «ist im zweiten Wahlkampf die Mobilisierung der Wählenden.»

Dessen ist sich auch Bernasconi bewusst und sie wisse, dass es jetzt richtig hart werde. Mit den Parteien, Verbänden und Engelbergers Wahlkampfbudget im Rücken starte ihr Gegner klar in der Poleposition. Aber er sei angeschlagen, sagt die Herausforderin – und wagt sich an grosse Worte: «Hätte ich im ersten Wahlgang die ganze Unterstützung gehabt, die Engelberger hatte, wäre ich heute Regierungsrätin.»

Basler Zeitung

Glücklich: GLP-Kandidatin Martina Bernasconi freut sich unmittelbar nach Bekanntwerden des Zwischenresultats über ihr gutes Abschneiden. (Videos: Joël Gernet)
Zuversichtlich: Lukas Engelberger (CVP) blickt dem zweiten Wahlgang gelassen entgegen.