2019-09-04 18:39

Die Gratwanderung der Kandidaten zwei und drei

Der Kampf um das Stöckli ist vorerst ein Kampf um Platz zwei. Eric Nussbaumer und Maya Graf geben sich zurückhaltend und moderat. Eine Podiumsdiskussion in Oberwil offenbart dennoch die Differenzen.

Die Baselbieter Ständeratskandidaten rund um Moderator Thomas Dähler (Mitte) präsentieren sich einem kleinen, aber interessierten Publikum. Von links: Elisabeth Augstburger, Eric Nussbaumer, Daniela Schneeberger, Maya Graf. Foto: Florian Bärtschiger

Die Baselbieter Ständeratskandidaten rund um Moderator Thomas Dähler (Mitte) präsentieren sich einem kleinen, aber interessierten Publikum. Von links: Elisabeth Augstburger, Eric Nussbaumer, Daniela Schneeberger, Maya Graf. Foto: Florian Bärtschiger

  • Jan Amsler

    Jan Amsler

Daniela Schneeberger lehnt sich zurück. Die Freisinnige ist die einzige bürgerliche Kandidatin in diesem Wahlkampf um den Baselbieter Sitz im Ständerat. Sie wird darum aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin mit von der Partie sein, wenn es, wie ­allgemein erwartet, zu einem zweiten Wahlgang kommt.

Die Ausgangslage ist für sie vorerst entsprechend komfortabel, was man ihr an der Podiumsdiskussion an diesem Dienstagabend in Oberwil auch anmerkt. Wie immer locker gekleidet, entspannt, vielleicht etwas müde, weiss sie eine Mehrheit des 30-köpfigen Publikums auf ihrer Seite, denn die Veranstaltung ist von ihrer Partei organisiert.

Spannender ist darum der Blick auf die drei anderen Kandidaten. EVP-Politikerin Elisabeth Augstburger ist die Aussenseiterin. Im Gegensatz zu den drei anderen hat sie keine Erfahrung in der Bundespolitik. Sie weiss das und ist entsprechend verunsichert. Als wolle sie zu einem Lied anstimmen, hält sie das Mikrofon mit beiden Händen und blickt beim Sprechen oft an die Turnhallendecke.

Politische Schwergewichte

Am souveränsten wirken die beiden linken Kandidaten. Sowohl Sozialdemokrat Eric Nussbaumer wie auch die Grüne Maya Graf sind politische Schwer­gewichte und entsprechend routiniert. Der Kampf um Platz zwei und damit den zweiten Wahlgang ist ein Kampf zwischen Graf und Nussbaumer. Die beiden sitzen im selben Boot und fischen im selben Teich: Nussbaumer will auch Stimmen der Grünen, Graf auch solche der SP.

Für die beiden ist der Wahlkampf eine Gratwanderung: Sie wollen sich voneinander abgrenzen, ohne die Klientel des anderen abzuschrecken. Dies führt dazu, dass die beiden am Podium darauf verzichten, sich zu zerfleischen. Sie beschränken sich ­vorerst darauf, zu begründen, warum ihre Voraussetzungen doch die besseren sind: Nussbaumer betont den Vorteil, als SPler einer Bundesratspartei anzugehören und damit mehr Einfluss zu haben: «Im Ständerat geht es darum, Kompromisse zu finden, die die Bundesratsparteien zusammen tragen können.» Graf kontert. Es sei wichtig, dass eine Vertreterin von ausserhalb «sehr kritisch hinschaut und hinterfragt, was da gedealt wird».

Die gewählten Themen von Moderator Thomas Dähler, Journalist der BaZ, bringen dann doch noch weitere Differenzen ans Licht. Etwa bei der Klimapolitik. Graf pocht auf Dringlichkeit: «Der Klimawandel äussert sich im Baselbiet besonders stark. Es ist der dritte Trockensommer in Folge. Buchen sterben ab. Das bereitet Sorgen.» Darum müsse das neue Parlament «griffige Klimaschutzmassnahmen treffen», um das mit dem Pariser Klimaabkommen gesetzte Ziel zu erreichen.

Nussbaumer ist in dieser Frage moderater: «Ich bin nicht bei den Extremen zu Hause.» Er findet: «Klimapolitik ist Energiepolitik. Wie schaffen wir es, dass mehr Investitionen in energiesparende Häuser und nachhaltige Mobilität getätigt werden?» Er glaubt, die Schweiz sei in der Lage, «den Lebensunterhalt, wie wir ihn haben, effizienter und nachhaltiger zu bewältigen».

Auf einen anderen Standpunkt stellt sich Daniela Schneeberger. Sie setzt auf Eigenverantwortung und Innovation. Sie bezeichnet die Klimaforderungen als «teilweise ein wenig hysterisch» und kritisiert Verbote: «Ich will nicht, dass wir in 20 Jahren nur noch als Vegetarier oder Veganer leben dürfen.» Nussbaumer und Graf widersprechen: Freiwilligkeit sei zwar super, aber das reiche nicht. Augstburger wiederum will die Klimaziele gar «überbieten, um als Vorbild vorauszugehen».

Hart bleiben oder nicht?

Differenzen zwischen Graf und Nussbaumer zeigen sich auch beim Rahmenabkommen. Genauer: beim umstrittenen Lohnschutz. Graf pocht darauf, dass der heutige Schutz erhalten bleibt: «Wir müssen hart bleiben und weiterverhandeln.» Nussbaumer betont, dass es hier gegenüber der EU ein Entgegenkommen brauche. «Wenn wir hart bleiben, kommen wir nie zu einem Resultat.»

Das Publikum interessiert sich auch dafür, wie die Kandidierenden zum Verkehr auf der Strasse stehen. Nussbaumer ist hierfür offener als Graf. «Die Infrastruktur in den Bereichen ÖV, Strasse, aber auch Hafen und Flughafen muss in unserer Region hochattraktiv und leistungsfähig bleiben.» Graf fokussiert stärker auf den ÖV und will Strassenprojekte wie den Rheintunnel «in Absprache mit der Kantonsregierung priorisieren».

Daniela Schneebergers Sympathie gegenüber Strassen­projekten ist bekannt. Und Elisabeth Augstburger? Die EVP­lerin will sich einerseits für den Muggenbergtunnel, ein Strassenprojekt, andererseits für den Beibehalt der Schnellzugverbindungen in Liestal einsetzen.