2019-03-20 09:21

Gummi statt Eisen: BVB sollen auf Pneu-Trams setzen

Grossrat Alexander Gröflin schlägt eine Teststrecke für schienenlose Trams vor. Das Tram soll elektrisch mit Pneus auf Asphalt fahren.

Es fährt bereits. Der Hersteller CRRC lässt ein fahrleitungsfreies Pneu-Tram auf Asphalt fahren.

Es fährt bereits. Der Hersteller CRRC lässt ein fahrleitungsfreies Pneu-Tram auf Asphalt fahren.

  • Daniel Wahl

Ist das Eisen-Zeitalter für die BVB vorbei? Diese unflexible Schienentechnologie wird heutzutage von schweren Combino- und Flexity-Trams regelrecht zerfressen und hinterlässt in der Stadt Baustellen-Teppiche. Wenn es nach dem Willen von Grossrat Alexander Gröflin (SVP) geht, dann ja, bald. Er fordert die Beschaffung eines schienenlosen Trams – eines, das elektrisch mit Pneus auf Asphalt fährt. Hierfür will Gröflin eine Teststrecke einrichten lassen. Einen entsprechenden Anzug reicht er heute im Grossen Rat ein.

Aufgeschreckt hat Gröflin die alarmierenden Zustandsmeldungen kürzlich sanierter Schienen. Insbesondere auch das Debakel beim Centralbahnplatz, der einer Totalsanierung unterworfen werden muss. Dieses Projekt wurde fahrlässig zu spät ausgeschrieben und ist wegen Einsprachen blockiert.

«Die Basler Verkehrsbetriebe mussten in den vergangenen Jahren wiederholt hohe Unterhaltskosten in ihre Trams und das Schienennetz stecken», beklagt Gröflin und weist auch darauf hin, dass Schienen für Velos «ein nicht zu vernachlässigendes Hindernis» darstellten. Deshalb sei in Basel, wie im Ausland, auf schienenlose Trams zu setzen, die zwar die Transportkapazität eines Trams aufweisen, sich jedoch mit Pneus auf der Strasse bewegen.

In der Tat hat der chinesische Lokhersteller CRRC Zhuzhou Locomotive das Tram vereinfacht. Seine Komposition fährt auf der Strasse statt auf Schienen. Sie ist mit Gummirädern ausgestattet. Eine gestrichelte Linie auf der Strasse, auf einem ausgeschiedenen Asphalttrassee, dient als Fahrweg. Da die Linie nur aufgezeichnet werden muss, ist der Bau eines Trassees weniger aufwendig als jener des Schienennetzes. Zhuzhous Züge können Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern erreichen und fahren dank Sensoren weitgehend autonom.

Konfrontiert mit der Idee Gröflins bleibt BVB-Direktor Erich Lagler vorsichtig, wenn auch nicht gänzlich abgeneigt. «Mit dem Thema Pneu-Tram, das schon länger in Fachzeitschriften thematisiert wird, müssen sich auch die BVB auseinandersetzen», sagt er. «Es ist aber ein Produkt, das in der Entwicklungsphase steht und nicht marktreif ist.» Darum stelle sich für die BVB die Frage, ob sie zu den «First Movers» gehören und für ein Pilotprojekt viel Lehrgeld zahlen sollen.

Schweizer Firmen berücksichtigen

Nach Stand der Technik würde der Akku solcher Pneu-Trams für einen Tagesbetrieb nicht reichen, weshalb man noch immer Fahrleitungen bauen müsse, sagt Lagler. Erste Erfahrungen sammeln die BVB mit dem Einsatz eines E-Busses. Derzeit könne nicht einmal ein Gelenkbus mit Akkus einen ganzen Tag lang betrieben werden, weil die Energie nicht reiche.

Alexander Gröflin streicht im Gegensatz die geringeren Infrastruktur- und Unterhaltskosten einer Pneu-Komposition hervor. «Das schienenlose Tram kostet pro Kilometer weniger als ein konventionelles», schreibt er. Deshalb soll der Regierungsrat prüfen, ob er mit Partnern aus der Schweizer Wirtschaft ein schienenloses Tram beschaffen kann. Seinerseits hat Gröflin bereits Kontakt mit einem Schweizer Tramhersteller aufgenommen.

Basler Zeitung