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Forschungen aus den USADie Tücken der Corona-Tests

Gemäss einer Studie fallen die gängigen PCR-Tests oft negativ aus, obwohl Menschen infiziert sind. Besonders in den ersten Tagen nach einer Infektion häufen sich falsche Resultate.

Es kann sein, dass unsorgfältig vorgenommene Abstriche das Testresultat beeinflussen. Zu diesem Schluss kommt eine gross angelegte amerikanische Studie. Ein  Mann lässt sich in Istanbul auf Covid-19 testen.
Es kann sein, dass unsorgfältig vorgenommene Abstriche das Testresultat beeinflussen. Zu diesem Schluss kommt eine gross angelegte amerikanische Studie. Ein Mann lässt sich in Istanbul auf Covid-19 testen.
Foto: Sedat Suna (Keystone)

Tausende Menschen erleben täglich auf der ganzen Welt den erlösenden Moment: Negativ, kein Sars-CoV-2 feststellbar. Alles gut also. Wirklich? Nicht unbedingt, lautet das Fazit einer Studie, die im Fachblatt «Annals of Internal Medicine» erschienen ist. Darin warnen Forscher der Johns Hopkins University, dass die gewöhnlich verwendeten PCR-Tests allein nicht sehr aussagekräftig sind. Die Wissenschaftler um die Medizinerin Lauren Kucirka haben in einem Überblicksartikel sieben Studien ausgewertet, die mehr als 1300 Testergebnisse enthielten.

Der Analyse zufolge lieferten mindestens 20 Prozent der Tests ein Ergebnis, das fälschlicherweise negativ war. Tatsächlich waren die Patienten infiziert, was sich daran zeigte, dass weitere Tests positiv ausfielen. Zum Teil wurden auch Antikörper auf das Virus bei den vermeintlich nicht Infizierten nachgewiesen.

Am sichersten sind Tests am achten Tag

Die Wissenschaftler zeigten zugleich, dass der Zeitpunkt der Probenentnahme eine grose Rolle für die Gültigkeit des Ergebnisses spielt. In den ersten drei Tagen nach der Infektion war es so gut wie unmöglich, Viren vom Typ Sars-CoV-2 nachzuweisen. Derart früh vorgenommene Tests waren praktisch wertlos. Abstriche vom vierten Tag gaben in zwei Dritteln aller Fälle fälschlicherweise Entwarnung. Am fünften Tag – dem Zeitpunkt, an dem typischerweise Symptome einsetzen – waren durchschnittlich noch 40 Prozent der Resultate falsch-negativ. Die Fehlerquote verringerte sich dann auf 20 Prozent am achten Tag und nahm anschliessend langsam wieder zu.

Auch wenn diese Prozentangaben Unsicherheiten aufweisen, lässt sich aus den Ergebnissen schliessen, dass der günstigste Zeitpunkt für die Probenentnahme um den achten Tag herum, also ungefähr drei Tage nach Symptombeginn liegt. Und dass die Tests selbst dann noch relativ häufig versagen. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Abstrich nicht sorgfältig genug vorgenommen wurde. Möglich ist auch, dass manche Menschen nur wenige Viren im Nasen- und Rachenraum tragen. In dem Fall würde womöglich auch wiederholtes Testen keine besseren Informationen liefern.

Die Autoren warnen davor, Infektionen allein aufgrund eines negativen Ergebnisses komplett auszuschliessen. Das gelte besonders, wenn eine Ansteckung wahrscheinlich ist, weil der Patient Kontakt zu Infizierten hatte oder aber bereits typische Symptome aufweist. Auch bei medizinischen Angestellten, die den Erreger leicht auf besonders gefährdete Menschen übertragen können, sollte das Testergebnis besonders vorsichtig interpretiert werden. Wie hoch die Fehlerquote bei einem positiven Ergebnis ist, wurde in der Studie nicht untersucht. Bisherige Schätzungen gehen davon aus, dass Fehlalarme extrem selten sind. Andere Coronaviren lassen die Tests nach derzeitigen Erkenntnissen nicht ausschlagen