2011-01-02 09:44

Umbaupause in der Denkfabrik

Das Schaulager verzichtet 2011 erstmals auf eine grosse Ausstellung im eigenen Haus. Mit einer Neuausrichtung habe das nichts zu tun, beschwichtigt Maja Oeri, Gründerin des Schaulagers und Präsidentin der Emanuel Hoffmann-Stiftung.

Blick in die Ausstellung «Holbein bis Tillmanns» im Schaulager im Sommer 2009.

Blick in die Ausstellung «Holbein bis Tillmanns» im Schaulager im Sommer 2009.

  • Alexander Marzahn

Es kommt nicht häufig vor, dass sich Maja Oeri selbst zu Wort meldet. Interviews gibt die Roche-Erbin keine, und für Auskünfte zum Schaulager ist der Pressesprecher da. Gegenüber der BaZ war es ihr nun doch ein Anliegen, einige Dinge klarzustellen, bevor Spekulationen ins Kraut schiessen. Was wohl nur eine Frage der Zeit gewesen wäre. Was ist passiert? Das Schaulager, seit acht Jahren mit jährlich einer Ausstellung im Basler Kunstkalender fest verankert, gönnt sich eine kreative Pause (BaZ vom 30. 12.). Zwar organisiert man ein Gastspiel im Haus zum Kirschgarten. Doch der mächtige Baukörper vor den Toren der Stadt bleibt erstmals seit der Eröffnung 2003 fürs Publikum geschlossen. Dass in einem aktuellen Newsletter auch noch von «Konsolidierung», «neuer Strategie» und «baulichen Massnahmen» die Rede ist, macht endgültig stutzig: Zieht sich das Schaulager, seit einem Jahr ohne künstlerische Leitung, aus der Öffentlichkeit zurück? Oder laufen im Gegenteil hinter den dicken Mauern Vorbereitungen für eine Wiedergeburt als Privatmuseum?

Forschung und Pflege

Beides sei nicht der Fall, führt Maja Oeri gegenüber der BaZ aus. «Als ich das Schaulager Ende der Neunzigerjahre als eine neuartige Institution für zeitgenössische Kunst ‹erfand›, war es nicht mein Ziel, in Basel noch ein weiteres Ausstellungshaus zu bauen», sagt Oeri. «Es ging mir darum, unsere Bestände möglichst gut zu pflegen und zu erforschen.» Zwar habe man erkannt, dass Vorträge, Symposien oder Ausstellungen sinnvoll seien. Doch «so sehr mir die Ausstellungen am Herzen liegen – sie dürfen nicht dazu führen, dass Pflege und Erforschung der Sammlung zur Nebensache werden».

Tatsächlich legt nicht zuletzt die Architektur davon Zeugnis ab, dass es hier nicht um die routinierte Kunstverpflegung geht, sondern um Werte wie Dauerhaftigkeit, Nachhaltigkeit oder Kontinuität. «Die grossen Ausstellungen waren und sind nur ein Teil unserer Mission. Sie sollen weder zwingend noch regelmässig stattfinden, sondern aus der Sammlungstätigkeit der Emanuel Hoffmann-Stiftung und unserer Arbeit am Schaulager heraus entstehen», wie Oeri ausführt. Das Schaulager habe den grossen Vorteil, «dass es nicht Zwängen und Erwartungen von aussen stattgeben muss».

2003 wurde das Haus mit einer epochalen Dieter-Roth-Ausstellung eingeweiht, seither folgte jedes Jahr eine aufwendig produzierte Schau, die oft genug Massstäbe setzte. Dass es just die Präsentationen waren, die das Schaulager im hiesigen Kulturleben verankert haben, bestreitet Oeri nicht. «Diese Ausstellungen waren entscheidend, um dem Schaulager öffentliche Sichtbarkeit zu verschaffen – national und international.»

Heute sei das Schaulager als Institution etabliert und auch in der Fachwelt hoch angesehen. Was nicht bedeute, dass man fortan eine ruhige Kugel schieben will. «Es gibt viele Bereiche, die ausbau- und entwicklungsfähig sind, und wir nehmen uns jetzt dafür die notwendige Zeit und Sorgfalt.» Auch grosse Ausstellungen werde es weiterhin geben – «wenn es Zeit dafür ist».

Das nächste Mal wird es 2013 Zeit dafür sein. Und es wird nicht wie bisher im Juni (zur Art Basel), sondern bereits im Februar eröffnet – auch dies passt zum Selbstverständnis. «Es hat sich gezeigt, dass es wünschenswert ist, unsere Ausstellungen nicht nur im Sommer zu präsentieren, sondern dann, wenn Schulen und Universitäten geöffnet sind.»

Leitung und Partner

Es gibt auch Fragen, die Maja Oeri mit einem knappen Nein beantwortet: Die Denkpause stehe in keinem Zusammenhang mit dem Weggang von Theodora Vischer. Der Posten der Künstlerischen Direktorin werde in absehbarer Zeit nicht wieder besetzt. Die Partnerschaft mit der Öffentlichen Kunstsammlung – insbesondere mit dem Museum für Gegenwartskunst – werde nicht auf neue Grundlagen gestellt.

Bleiben die baulichen Massnahmen. Was genau umgebaut werde, stehe nicht fest, doch die Eingriffe seien eher kosmetischer Natur. «Im Moment sind wir mitten in der Planung», sagt die Mäzenin. «Sicher ist, dass der zweite Stock, der bisher keinen Innenausbau hat, Lagerräume für die gewachsene Sammlung erhält und dass kleinere Anpassungen, die sich in den acht Jahren des Bestehens als notwendig erwiesen haben, vorgenommen werden.» Das Schaulager nimmt sich also die Freiheit, in sich zu gehen – ein Luxus, der in der Kunstwelt ohne Not nicht oft zu finden ist. Und den sich nur erlauben kann, wer unabhängig und mündig genug ist, sich von den Zwängen des Kulturbetriebs dispensieren zu können. «Wir sind uns bewusst, dass es dieser Teil unserer Arbeit ist, der uns zu einer einzigartigen und zukunftsweisenden Institution macht, und wir sind stolz darauf», sagt Maja Oeri.

Basler Zeitung