2019-05-13 23:06

Ultras gewähren lassen – ein Zeichen der Schwäche

Trikots ausziehen, das war eine Demütigung vor den Augen der Polizei. Und es sagt etwas aus über den Staat.

Nach dem Abbruch des Super-League-Spiels Grasshoppers gegen Sion hätten die Luzerner eigentlich gewarnt sein können. In Sion provozierten radikale GC-Fans im März, indem sie Feuerwerkskörper auf das Spielfeld warfen. Und in Luzern waren es wieder die Hooligans, die mit ihrer Forderung, die Grasshoppers-Spieler sollten ihre Leibchen abgeben, für das vorzeitige und beschämende Ende des Treffens sorgten.

Dass die GC-Spieler der Forderung nachkamen und sich so noch mehr erniedrigen liessen, kann man mit der Begründung entschuldigen, dass so vielleicht ein Gewaltausbruch verhindert wurde. Auch dass die Polizei im Schritttempo und in Kampfmontur auf die Fankurve vorrückte und dann stehen blieb, lässt sich vielleicht damit erklären, man habe damit zur Deeskalation beitragen wollen.

Weitaus unverständlicher ist es jedoch, dass man der Eskalation nicht zuvorkam, indem man Polizisten schon vor Spielbeginn in den Fanzonen postierte – in genügend grosser Zahl, um jegliche Ausschreitungen im Keim zu ersticken. Denn dass die GC-Hooligans den Abstieg ihrer Mannschaft nicht so einfach hinnehmen würden, musste den Verantwortlichen doch eigentlich klar sein.

Ob der Rädelsführer der Ultras, Stefan N., früher ein Neonazi war und ob er heute vielleicht immer noch rechtes Gedankengut mit sich herumträgt, ist eigentlich nebensächlich. Der Staat muss sich überlegen, welche Signale er mit seinem Verhalten aussendet – an gewaltbereite Extremisten jeglicher Couleur. Eine Schande ist nicht nur, dass der Schweizer Fussball wegen ein paar weniger Hitzköpfe Schaden nimmt, sondern auch, dass die Behörden Leute wie Stefan N. jahrelang gewähren lassen. Der aus dem Thurgau stammende und auch mit der deutschen Szene vernetzte Ultra ist schon seit Jahren einschlägig bekannt.

Wenn er und seinesgleichen die Grass­hoppers mit Drohungen dazu gezwungen haben, ihre Trikots auszuhändigen, dann muss die Justiz einschreiten. Denn Nötigung ist ein Offizialdelikt. Und es wäre zu hoffen, dass auch die Kantone Zürich und Aargau, in denen sich Stefan N. öfter aufhält, genauer hinsehen, ob es nicht noch andere Gründe gibt, diesen Extremisten endlich aus dem Verkehr zu ziehen. Egal ob es sich um Islamisten, Rechts- oder Linksextremisten handelt: Der Staat sollte gewaltbereite Kriminelle im Auge behalten.