2018-11-22 12:05

Hampe allein zu Haus

Der Basler Bau - und Verkehrsdirektor Hans-Peter-Wessels hat milliardenteure Strassenbaufantasien. Doch wirklich nötig sind diese keineswegs.

Gegen ein weiteres Projekt wurde das vom Basler Heimatschutz unterstützte Referendum bereits eingereicht.

Gegen ein weiteres Projekt wurde das vom Basler Heimatschutz unterstützte Referendum bereits eingereicht.

(Bild: Nicole Pont)

  • Roland Stark

Dem sozialdemokratischen Basler Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels weht eine steife Brise ins Gesicht. Der Wind bläst ihm aus den unterschiedlichsten politischen Himmelsrichtungen entgegen.

Die rot-grüne Basis beklagt wegen seiner milliardenteuren Strassenbaufantasien einen Rückfall in die Ära von Max Wullschleger (1956–1976); die bürgerlichen Parteien werfen ihm dagegen den stetigen Abbau von Parkplätzen und eine fundamentalistisch autofeindliche Politik vor. Einsam sitzt Hampe zwischen allen Stühlen.

Erschwerend kommt noch dazu, dies allerdings nicht auf das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) beschränkt, dass der Wille und die Fähigkeit, politische Ziele rechtzeitig und verständlich zu erklären, im umgekehrten Verhältnis stehen zur Dichte der Kommunikations(verhinderungs)-brigaden in den einzelnen Departementen.

Überschüssiges Geld wird in Teer verwandelt

Bei zwei konkreten Vorhaben hat sich Wessels zudem mit der direkt betroffenen Bevölkerung angelegt. Beide Projekte aus der Küche des Baudepartements erwecken, leider nicht zum ersten Mal, den Eindruck, der Kanton Basel-Stadt habe zu viel Bares in der Kasse, und seine bienenfleissigen Mitarbeiter suchten deshalb krampfhaft nach Gelegenheiten, das überschüssige Geld in Teer, Zement und Rheinwacken zu verwandeln. Rund 36 Millionen Franken sollen für die Neugestaltung der Verkehrsoberfläche der Achse Burgfelderstrasse-Missionsstrasse-Spalenvorstadt aufgewendet werden. Die SDA-Meldung verkündet ausschliesslich Wohltaten: Die Sicherheit wird erhöht, der Verkehrsfluss verbessert. ÖV-Haltestellen werden behindertengerecht ausgestaltet, Velostreifen angelegt und Bäume gepflanzt.

Erst ein Artikel bei onlinereports, verfasst vom Präsidenten des Basler Heimatschutzes, offenbart den grossen Haken an der Geschichte: Die bestehende Haltestelle am Strassenabschnitt zwischen Stadttor und Botanischem Garten wird aufgehoben respektive in die Spalenvorstadt verlegt. Aus städtebaulicher und verkehrspolitischer Sicht ein ausgewiesener Schwachsinn. Prominente Anwohner laufen gegen das Projekt bereits Sturm: Jürg Humbel etwa, Inhaber der gleichnamigen Papeterie, oder auch Erwin Oesch vom Fachgeschäft für Blasinstrumente. Das Geschäft liegt zur Behandlung in der Verkehrs- und Umweltkommission und wird im Grossen Rat oder dann halt spätestens vom Stimmvolk mit Anstand und Würde zu Grabe getragen.

Mehr Bescheidenheit und Bodenhaftung

Gegen ein weiteres Projekt wurde das vom Basler Heimatschutz unterstützte Referendum bereits eingereicht. Das Volk darf Anfang 2019 darüber abstimmen. In der St.-Alban-Vorstadt («Dalbe») soll die Strasse wie bereits die Rittergasse und die Augustinergasse absatzfrei gepflastert und asphaltiert werden. Die Trottoirs verschwinden, was zu einem stärkeren Sicherheitsrisiko führen würde. Das Schreckensszenario einer Biker-Rennstrecke wird an die Wand gemalt. Auch beklagen die Anwohner, dass auf das in der Kantonsverfassung verbriefte Mitwirkungsrecht verzichtet wurde. Die Gegner verlangen den Verzicht auf die überflüssige Luxus-Sanierung.

Beide Vorlagen bieten eine gute Gelegenheit, über Sinn und Unsinn von masslosen Umgestaltungsprojekten nicht nur eingehend zu diskutieren, sondern auch in einer Volksabstimmung darüber zu entscheiden. Eine Ablehnung würde – vielleicht – auch die Regierung zu einem Umdenken motivieren. Hin zu mehr Bescheidenheit und Bodenhaftung.

Basler Zeitung