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Verborgen unter dem Eis

Wie schnell die Antarktis schmilzt, hängt von der Form ihres felsigen Untergrunds ab. Eine neue Karte zeigt erstmals dessen genaue Struktur — sie lässt nichts Gutes erahnen.

Das grösste Naturschutzgebiet des Planeten: Die Antarktis dehnt sich über 12 Millionen Quadratkilometer aus. Foto: Vrobertharding/Laif
Das grösste Naturschutzgebiet des Planeten: Die Antarktis dehnt sich über 12 Millionen Quadratkilometer aus. Foto: Vrobertharding/Laif

Die Antarktis ist von einem gewaltigen Eisschild bedeckt, mehrere Kilometer dick und ausgedehnt über mehr als 12 Millionen Quadratkilometer. Seit einigen Jahrzehnten schmelzen die Gletscher mit zunehmender Geschwindigkeit. So gelangt vorher an Land gebundenes Wasser in den Ozean und lässt den Meeresspiegel ansteigen. Wie schnell die Eisschmelze vonstattengeht, hängt nicht nur vom Klimawandel ab, sondern ebenso vom Gelände tief unter dem Eis.

Eine neue Karte zeigt so genau wie nie zuvor, welche Kluften, Abhänge und Bergspitzen sich unter den Gletschern verborgen halten. Ein Team um den Eisforscher Mathieu Morlighem von der University of California berechnete aus Satellitenbildern und bekannten Dicken der Eisdecke, wie die Oberfläche der Antarktis geformt sein muss. Wie sie in «Nature Geoscience» berichten, entdeckten die Forscher sogar einen Graben, der mehr als 3,5 Kilometer unter den Meeresspiegel hinabreicht: Weltrekord.

Gelände­rücken und Transantarktische Gebirge stabilisieren Eismassen

Die komplizierten Berechnungen, auf denen die Karte aufbaut, beruhen auf dem Prinzip der Massenerhaltung: Wenn Gletscher etwa durch ein Tal fliessen, muss am Ende genauso viel Eis herauskommen, wie hineingeflossen ist. Geht diese Gleichung nicht auf, dann stimmt die berechnete Geländeform nicht.

Bislang existierten nur grobe Karten der Antarktis. Flugzeuge überflogen den Kontinent am Südpol und durchleuchteten mit Radiowellen die Eisdecke. Wegen der schieren Fläche konnte so allerdings nur ein Bruchteil des Geländes vermessen werden, der Rest beruhte auf Schätzungen. Diese lagen, wie die neue Karte zeigt, teils um mehr als 1000 Höhenmeter daneben.

Um vorhersagen zu können, wie sehr der Klimawandel die Gletscher am Südpol gefährdet, müssen die Forscher das Areal darunter genau kennen. Gelände­rücken wie das Transantarktische Gebirge, das sich mitten durch den Kontinent zieht, können Eismassen stabilisieren.

Besonders gefährdet sind jedoch Gletscher, die unterhalb des Meeresspiegels liegen und unter denen das Gelände gen Landesinnere weiter abfällt. Wenn das wärmer werdende Meerwasser dieses Eis von unten antaut, rückt die Linie, bis zu der das Eis noch auf dem festen Untergrund aufliegt, immer weiter ins Landesinnere. Wenn das Gelände in dieser Richtung abfällt, wird die Eisschicht über dieser Linie immer dicker; umso schneller kann das Eis ins Meer fliessen. So beschleunigt sich der Rückzug des Gletschers von selbst.

Unrettbar verloren

Wegen dieses Prozesses befürchten manche Forscher, dass etwa der Thwaites- und der Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis bereits unrettbar verloren sind. Die neue Karte bestätigt die Befürchtung: Der Untergrund unter diesen Problemgletschern fällt noch weiter und tiefer landeinwärts ab als gedacht; ihnen droht eine düstere Zukunft.

Aber auch in der bislang noch relativ stabilen Ostantarktis gibt es Gebiete, deren Topografie nichts Gutes ahnen lässt, wenn das Schmelzen auch dort einmal in Gang kommt. Dazu gehört etwa der Untergrund unter dem riesigen ­Recovery-Gletscher, in dessen Einzugsgebiet 40 Prozent der Ostantarktis liegen.

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